Vulpes Lupus Canis
Die Fiktion


"Zu leben bedeutet nicht ein Anpassen an die derzeitige Situation, sondern das immer neue Schaffen seiner eigenen Realität."


Einst schuf ich ein Werk aus einem sehr komplexen Gebilde aus Erlebnissen und Träumen. Daraus machte ich mir eine Welt, welche ich nur als das beschreiben kann, was sie ist: mein Zuhause. Und Obwohl meine Welt, meine Heimat, in unserer Realität durchaus zu erkennen ist, weiß ich, dass sie sich sehr stark von der meinen unterscheidet.

Am Anfang der Entstehung wusste ich nicht, dass meine "Einbildung" schon damit begann, dass ich glaubte, es gäbe wirklich Menschen, die von ihr erfahren wollten.

Eine schmerzhafte Erkenntnis war die nicht ausgesprochene Ablehnung - eher das Desintresse dafür - wovon ich umgeben war. Es mochte daran liegen, dass niemand mehr gerne ein dickes Buch las. Vielleicht teilte auch niemand meine verrückten Ideen. Was auch immer es sein mochte: Schlussendlich entschied ich mich, das Buch "Vulpes Lupus Canis" (vorerst) nicht weiterzuschreiben.

 

Ein Buch zu schreiben, das kostet Zeit und Geld. Außerdem sitze ich beruflich und privat ohnehin schon zu viel am PC. Eine Arthrose macht sich bereits bemerkbar. Und so fürchtete ich, dass ich wohl nicht dazu in der Lage sein würde, dieses "große Werk" so bald zu vollenden.

 

Allerdings hatte ich mich einem neuen, größeren Projekt zugewandt: Ich sparte ich auf einen Hundekopf aus Fell, speziell nach meinen Vorgaben erstellt. Ich wuste, ich würde ihn tragen - eines Tages - zusammen mit einer "Rute" und anderen Accessoires.

Ja, ich hatte vor, mir ein "Kecar-Kostüm" zuzulegen. Das mag erstmal kindisch und unnachvollziehbar klingen, jedoch war es mein nobelstes Ziel, meiner Welt so nahe wie möglich zu kommen.

 

Und mal ehrlich: Nur darüber reden und schreiben, oder lieber gleich ein Stück weit "leben" - was ist besser? :-)

 

Aufgrund des Desinteresses, welches ich erfahren hatte, beschloss ich schnell, dieses auf Gegenseitigkeit beruhen zu lassen: Von dem Zeitpunkt an, zu dem ich entschied, wahrhaft Kecar zu werden, wusste ich, dass es mir vollkommen gleich sein würde, was andere über diese Idee dachten.

Ich erntete unverständiges Kopfschütteln, entfernte mich weiter und weiter von der "normalen" Realität, machte Freunde zu Bekannten und verletzte viele Menschen auf meinem Weg. Doch es gelang mir, eine Balance zwischen zwei Welten zu halten - trotz des größer werdenden Drucks, der auf meiner Seele lastete.

 

Ich gebe zu, heute zu glauben, dass auch diese Zeilen wenige Menschen mit aufrichtigem Interesse lesen werden. Deshalb gilt dieser Text (wie in Zukunft auch diese ganze Internetseite) als Brief an mich selbst. Eine Spur, welche ich im Internet hinterlassen habe.

Nach und nach fülle ich diese Seite mit Bildern von mir als Kecar. Dem ein oder anderen ein Lächeln oder ein Stirnrunzeln zaubernd, ist dann alles da, wo es hingehört: draußen, in der Welt.

Eines Tages komme ich hierher zurück und freue mich, sagen zu können: "Ich war dabei!". Und wenn meine Zeit einmal gekommen sein wird, bleibt diese Seite eine Weile bestehen - wie auch meine Geschichte.

 

Denn heute habe ich nicht mehr diesen Mitteilungsdrang, den ich zu Anfang hatte. Es ist viel mehr so, dass ich den letzten Satz meiner großartigen Geschichte (die mir immer im Kopf herumspukt) sagen kann:

 

"Ich wusste es!"